Warum habe ich dieses Buch angefangen zu lesen?

2019 hatte ich das Gefühl, dass mich eine Erkältung nach der anderen erwischte. Das Ganze in einem stetigen Rhythmus: 6 Wochen gesund, 1 Woche krank. Insgesamt waren es 26 Tage. An diesen Tagen lag ich im Bett und fühlte mich absolut miserabel. 26 Tage sind 7 % des gesamten Jahres. Meiner Meinung nach ziemlich viel. Ich bin grundsätzlich fit, schlafe ausreichend und bin auch regelmäßig an der frischen Luft und trotzdem erwischte es mich immer wieder. Also fing ich an nach Methoden zu suchen, die mein Immunsystem positiv beeinflussen. Schon während meiner Wanderung von 1700 km von Oslo nach Köln hörte ich mehrmals von Wim Hof. Ein Holländer, der durch Atemtechniken und den regelmäßigen Kontakt mit extremer Kälte fast so etwas wie Superkräfte hat. 

Als mich im Sommer 2019 wieder eine Erkältung plagte, war ich gerade in Schweden gemeinsam mit meiner Freundin im Kanu unterwegs. Wir campierten auf einer kleinen Insel im Nirgendwo, mehrere Stunden entfernt von einer größeren Stadt. Im Zelt liegend bekam ich Atemnot und hatte Angst, daran zu ersticken. Mir wurde klar, dass ich dringend etwas ändern muss. Ein paar Monate später begann ich mit der Wim Hof Methode, nachdem ich etliche Berichte gelesen und Dokus darüber angeschaut hatte. Als Ende Februar dieses Jahres dann der Corona Virus ausbrach, intensivierte ich meine Bemühungen und fing langsam an zu begreifen, wie sich der eigene Körper positiv beeinflussen lässt und wie wichtig es ist, diszipliniert dran zu bleiben. Um noch mehr über die Hintergründe zu erfahren, kaufte ich mir das Buch von Scott Carney.

Kurze Buchzusammenfassung

Scott Carney ist ein investigativer Journalist aus den USA, der es sich zum Auftrag gemacht hat, unseriöse Gurus zu entlarven. Und so analysierte er auch die Methode von Wim Hof. Im Juli 2012 hörte er das erste Mal von seinen erstaunlichen Rekorden. So lief Hof unter anderem einen Halbmarathon barfuß bei unter Minus 20 Grad in Lappland, bestieg den Mount Everest bis zu einer Höhe von 7800 Metern in Badehose und tauchte 57,5 Meter in der Nähe des Polarkreises bei Minus 25 Grad unter dem Eis. 

Scott flog nach Polen zu einem Trainingscamp von Wim Hof und erfuhr am eigenen Leib, wie schnell der Körper sich an Kälte gewöhnen kann. Die Methode steht auf drei Säulen, Atemtechnik, regelmäßige Konfrontation mit der Kälte, sowie die Offenheit und Disziplin seinen Kopf mental darauf einzustellen.  

Laut Scott ist die Wim Hof Methode eigentlich recht einfach. Indem man den Körper regelmäßig unter Stress setzt und dann wieder kontrolliert beruhigt, erlangt man gewissermaßen die Kontrolle über seinen eigenen Kampf-oder-Flucht Reaktion, die bei viel Stress und Adrenalin automatisch erfolgt. 

Mit der Reise nach Polen beabsichtigte Scott eigentlich, die Methode als Schwindel aufdecken zu können. Er begann, sich mit der Methode intensiv auseinanderzusetzen, sah erste Resultate und interviewte Ärzte, Sportler, Wissenschaftler und unheilbar Kranke, die die Methode selber anwendeten. Mit Erstaunen stellte er dann fest, dass der menschliche Körper durch die gezielte Hyperventilation und die Konfrontation mit Kälte einen erhöhten Pegel an Adrenalin aufbaut und sich entzündungshemmende Moleküle im Blut entwickeln, wodurch das Immunsystem positiv beeinflusst wird. 

Der Autor beschreibt einen wissenschaftlichen Versuch im Jahre 2012, als 18 holländischen Studenten nach einem Training mit der Wim Hof Methode tote E.coli Bakterien gespritzt wurden, welche in 99% der Fälle eine schnelle Immunreaktion mit starken Fieber auslösen. Die 18 Studenten, die nach der Wim Hof Methode trainierten, zeigten jedoch im Gegensatz zu einer Vergleichsgruppe nur leichte Symptome.

Scott beschreibt, dass wir Menschen in der Lage sind uns an extremste Witterungsbedinungen anzupassen und beschreibt die Samoset Indianer, die beinah nackt im Winter von Nordamerika lebten, als die Engländer anfingen Nordamerika zu besiedeln.  

Es folgen verschiedene Beschreibungen von körperlichen Fähigkeiten, die uns angeboren sind, wir aber durch unseren Fortschritt niemals anwenden und somit verlieren. 

Als Mensch haben wir durch unsere komfortable Welt die körpereigenen Ressourcen verloren, uns an die Umgebung anzupassen. Bei Empfinden von Kälte stellen wir einfach die Heizung an um uns wieder aufzuwärmen. Mit der Zeit hat der Körper verlernt, seine eigene Heizung zu regulieren.  

Er interviewte ein Parkinson Erkrankten, als auch eine Person mit starker rheumatischen Arthritis, die beide aufgrund der Methode ihren Medikamentenkonsum reduzieren konnten, bzw. sogar Amputationen von Gliedmaßen abhalten konnten. 

Der Autor übte die Methode fast 4 Jahre lang aus, um zum Schluss des Buches gemeinsam mit Wim Hof und ca. 20 anderen Personen den Kilimandscharo (5685 m) zu besteigen. Das Ganze überwiegend in Badehose und in unter 40 Stunden und zeigte damit, dass er seinen Körper derart verändern konnte, dass selbst für ihn eine solch lebensgefährliche Expedition möglich ist. 

Die Besten Zitate aus dem Buch:

“Schwache Gefäßmuskeln sind ein Nebeneffekt des Lebens in einem sehr engen Temperaturbereich.”

“Wir sind immer noch Tiere. Nur sehr kluge.”

“Fast jeder Mensch, der heut lebt existiert in einem Kokon der Gleichförmigkeit: in einem ewigen Sommer.”

“Der Ansatz, etwas mit Medikamenten zu verändern, ist ein wenig so, als würde man mit Kanonen auf Spatzen schießen. Sicher ist der Spatz tot, aber wer weiß, wen es sonst noch erwischt.”

“Eine Person mit guter Laune, die ausgeglichen ist und mit ihrer Umwelt in Einklang steht, sollte auch auf der Ebene des Immunsystems davon profitieren können.”

Auswirkungen auf mich

Stand heute (23.03.2020) übe ich die Methode nuns seit ca. 5 Monaten aus und schaffe es bis jetzt fast jeden Morgen. Ich schreibe diese Zeilen zu dem Zeitpunkt, wo die Nachrichten durchflutet sind von Corona Nachrichten und fühle mich gesund und schaffe es trotzdem positive Gedanken beizubehalten. In den letzten 5 Monaten konnte ich mehrmals im kalten Wasser schwimmen und habe jetzt das Gefühl, dass ich mich schon auf den nächsten Winter freue, weil ich weiß, dass dann die Seen wieder kälter werden. Irgendwie verrückt. Durch das tägliche atemtraining habe ich zudem meine Lunge trainieren können, was mir ein positives Gefühl bei stressigen Situationen gibt. Zudem habe ich gelernt, dass man den Sauerstoffverbrauch vorausplanen kann und so der Ermüdung zuvorkommen kann. Hätte ich das mal als jugendlicher gewusst, als ich noch Leistungssport gemacht habe. Ich bin sehr gespannt, wie sich das Training auswirkt, wenn man ein Jahr dabei bleibt. Ich bin mir mittlerweile bewusst geworden, dass der Körper sich sehr gut auf Temperaturen einstellen kann, wenn man ihn mal lässt und offen für diese Erfahrung ist.