Wege entstehen dadurch, dass man sie geht, Franz Kafka

Damit etwas entstehen kann, muss erst der Weg gegangen werden und nicht anders herum. Das gleiche gilt auch für den Wandel: Bevor sich ein Wandel vollziehen kann, muss man den ersten Schritt wagen und sich in Bewegung setzen. Der Weg entsteht danach mit jedem Schritt, den man geht.

Ein Ge(h)dankengang

In unserer Gesellschaft gibt es zahlreiche Beispiele für einen solchen Prozess: Angefangen von einem Ge(h)dankengang und gefolgt vom physischen Gehen, wurde schließlich eine ganze Bewegung initiiert.

Erinnern wir uns zum Beispiel an Mahatma Ghandi: mithilfe seiner Füße protestierte er 1930 gegen die hohe Salzsteuer der Engländer 1 , die Inder an ihre Kolonialmacht zu entrichten hatten. Der Protestmarsch zog sich über 24 Tage und 400 km. Tausende von Inder standen am 6. April am Strand von Dandi und schlossen sich so Ghandis Protest an. 

Einen weiteren gesellschaftsverändernden Marsch initiierte Martin Luther King. In den 1960ern führte er mehrere Märsche an, bei denen ihm bis zu 250.000 Menschen folgten. Das beeindruckendste Finale erleben wir vermutlich in seiner Rede „I have a Dream”, die er am 28.08.1963 in Washington D.C. hielt. In dieser eindringlichen Rede forderte er Menschen  auf, gemeinsam für ihre Gleichstellung zu marschieren – egal welche Rasse, Hautfarbe und Glauben sie haben.2 Ganz spontan, ohne es vorher geplant zu haben, verwendete er die Worte aus einer seiner alten Reden: „I have a dream” und spricht über Träume.3 Auf einen Marsch folgen Träume, folgen Taten, folgt der Wandel.   

Die jüngste Bewegung für Wandel ist die Fridays for Future, bei der sich alleine am 15.03.2019 in insgesamt 2.349 Städten in 133 Ländern über 22 Millionen Menschen4 in Bewegung setzten und Aufmerksamkeit für die Klimaentwicklung forderten.

Diese drei Beispiele sind herausragend und von laufender Relevanz. Sie zeigen ganz eindringlich, dass ein Wandel nicht nur im Kopf stattfindet, sondern gleichzeitig körperlich mit den Füßen in Bewegung gesetzt wird. 

Prozesse anstoßen

Prozesse anzustoßen, die einen positiven Wandel ermöglichen, ist auf allen Ebenen möglich – ob auf persönlicher Ebene, in Familien, Organisationen oder auch in Unternehmen. Um sich vorstellen zu können, wie ein solcher Prozess ablaufen kann, ist die wahre Bedeutung des Wortes ,Wandern‘ hilfreich:

Das westgermanische ‚wandern‘ ist verwandt mit dem Verb ‚wandeln‘. Es beschreibt das wiederholte Wenden. Im Laufe der Zeit entwickelte sich daraus die Bedeutung ,hin und her gehen‘ oder ,seinen Standort ändern‘. 

Wanderer ändern sowohl ihren Standort als auch ihr Lebensgefühl: Während des Wanderns hat man Zeit, den Alltag mit all seinen grossen und kleinen Sorgen hinter sich zu lassen. Zeit ist plötzlich relativ und auch die gesellschaftlichen „Ich Muss“-Aussagen. Man fühlt sich frei und wird kreativ!

Gerade jetzt während Corona sind viele Organisationen im Wandel, und stehen regelmäßig vor neuen, unerwarteten Entscheidungen. Es verändern sich Strukturen und Geschäftsmodelle, die Gemeinschaft überträgt sich zu einem großen Teil in den digitalen Raum, neue Sorgen und Ängste bezüglich der Zukunft kommen auf. All diese Veränderungen finden nicht nur äußerlich in unseren Arbeitsprozessen und dem Arbeitsalltag statt, sondern auch maßgeblich auf persönlicher und seelischer Ebene.

Einen tiefgreifenden Prozessanstoß, kannst du dir in meinem Live Stream anschauen: 5.300 km zu Fuß durch Europa

Kreativraum Natur

Um diese neuen Herausforderungen und Ängste zu bewältigen, kann der Kreativraum Natur zur Hilfe genommen werden. So kann man sich den Fragen des Wandels – wörtlich und metaphorisch – Schritt für Schritt nähern. Die Bewegung gibt einem das Gefühl von Freiheit und Autonomie, Gefühle, die einem gerade in den letzten Monaten der Einschränkungen häufig genommen wurden. Während wir unseren physische Standort ändern, werden auch gewohnte Gedankenmuster gelöst. Die Kreativität blüht auf, der Wandel ist angestoßen. Durch den inneren Wandel, den wir im Optimal in einer Gemeinschaft wie einem Team erleben, verändern wir auch die äußeren Gegebenheiten. Von diesem Wandel profitiere ich, mein Gegenüber, mein Team, mein Vorgesetzter, die Kunden, das Unternehmen.

Zum Schluss kann man die schönen Worte eines der einflussreichsten Philosophen der französischen Aufklärung, Jean-Jacques Rousseau, mitnehmen: „Ich kann nur im Gehen denken. Sobald ich stehen bleibe, denke ich nicht mehr, mein Kopf arbeitet nur mit den Füßen gleichzeitig.”